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AVANT DE MOURIR

Diese sogenannte Tango Srenade mag aufgrund ihres langsamen Tempos Assoziationen zur Habanera in George Bizets “Carmen” wecken.Parallelen zu diesem Kalssiker zeigen sich darüber hinaus-und ohne diesen Vergleich strapaziern zu wollen-in Characteristik des schwermútig-tragischen Melodiebogens und im Wechsel des Tongeschlechts von Moll nach Dur.

Boulanger legt in diesem Stück nur geringesGewicht auf die Harmonische Entwicklung-„Avant de mourir“ muss in dieser Hinsicht vielmeher als statisch bezeichnet werden.Wesentlich wichtiger ist dem Geiger hingegen die melodische Ausdruckskrafft,die er meisterhaft und mit einfachen Mitteln erreicht:Eine achttaktige Phrase bildet den Ausgangspunkt des Werkes und stellt zugleich die musikalische Substanz des Moll-Teiles dar.Dem Aufstieg um die Oktave in Sekundschritten und (zum Grundrythmus um einen Sechzentel verschobenen) Achtelwerten folgt ein dreiteiliger sequenzartiger Abstieg, der die Melodie wieder auf ihrem Ausgangston e landen lässt.Der anschliessende A-Dur-Teil unterschtreicht vor allem mit einiger Triolenbewegungen die Tango-Thematik.Im weiteren wirkt er weniger „morbid“ als die Einleitung, eher sentimental und emphatisch-letzteres vor allem wegen eines entschprechenden Octavenschprunges in der Melodie.

Boulanger verzichtet in diesem Stück auf alle seine violin-technischen Kunststücke und verttraut ganz dem süffingen,ja leidenden Geigenklang, den er mit unzähligen portamenti würtzt.Das Klavier erkúllt akkordische Aufgaben und ¨bernimmt den Tango-beziehungsweise Habanera-Rhytmus.Auf der Originalen –Aufnahme wirken ausserdem einige Streicher mit; sie bedeuten nicht meher als klangliches Füllmaterial.

 

Von der Lizentiatsarbeit "Georges Boulanger, Violinvirtuose"

Dr. Christian Peter Meier

Chefredaktor

Neue Zuger Zeitung